BRS News
Regenerative Landwirtschaft: Welche Bedeutung hat Weideland beim Klimaschutz?
Weidetiere sind ein entscheidender Bestandteil eines nachhaltigen agrarischen Systems. Eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen zeigt, dass die Viehhaltung, wenn sie richtig betrieben wird, dazu beiträgt, organisches Material aufzubauen und Kohlenstoff im Boden zu speichern. Der Boden ist laut der Europäischen Umweltagentur die zweitgrößte Kohlenstoffsenke nach unseren Ozeanen. Weidetiere regenerieren das Land, indem sie den Boden mit Dung düngen und somit den Pflanzen helfen, Kohlenstoff einzulagern. Die neuseeländische Beraterin für biologische Böden, Phyllis Tichinin, sagte, die Weideflächen Neuseelands könnten durch regenerative Beweidungstechniken rund 61 Megatonnen Kohlenstoff pro Jahr speichern. Das ist mehr als unsere gesamten Netto-Kohlenstoffemissionen. Das bedeutet, dass wir über die Kohlenstoffneutralität hinausgehen und kohlenstoffnegativ werden.
Was bedeutet das nun für den Verbraucher? Es sei wichtig, sich darüber zu informieren, woher die Produkte kommen und mit welchen Methoden sie produziert wurden. Fleisch müsse nicht vom Speiseplan gestrichen werden.
Bedeutung der Mikronährstoffversorgung aus Nahrungsmitteln tierischer Herkunft
Eine Studie der Oxford Universität befasst sich mit der Rolle von Lebensmitteln tierischer Herkunft bei der Deckung des menschlichen Mikronährstoffbedarfs. Bei den Auswertungen mit 24.000 vegan und vegetarisch lebenden Probanden in Großbritannien wurde festgestellt, dass Veganer trotz der Verwendung von angereicherten Lebensmitteln einen Mangel an vielen Mikronährstoffen aufwiesen. Nahrungsmittel tierischen Ursprungs bieten eine ideale Kombination aus hochwertigem Protein und essentiellen Vitaminen und Mineralien in einer bioverfügbaren Matrix. Die aktuelle Diskussion um die landwirtschaftliche Nutztierhaltung wird von Fragen im Zusammenhang mit dem Kohlenstoff-Fußabdruck
dominiert. Die Bewertung der Nachhaltigkeit muss jedoch auch auf der Prämisse aufbauen, dass zukünftige Generationen Zugang zu ausreichender Qualität und Quantität hochwertiger Nahrungsmittel benötigen. Mit einer wachsenden Weltbevölkerung steigt der Bedarf an qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln. Die Land- und Wasserressourcen sind begrenzt und die Auswirkungen des Klimawandels erfordern ebenfalls Anpassungen der landwirtschaftlichen Praktiken.
USA: "National Ag Day" zu Ehren von Landwirten, Viehzüchtern und Agrarunternehmen
Dass wir in Zeiten der Corona-Pandemie ausreichend Lebensmittel haben, verdanken wir Landwirten und allen in der Agrarbranche tätigen Menschen. Daran erinnern die Amerikaner mit ihrem National Agriculture Day
, der am 22. März begangen wird. Joe Biden erinnerte in seiner Dankesrede nicht nur an die Leistung der Landwirte für die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, sondern erkannte auch die Rolle der Landwirtschaft bei der Bekämpfung des Klimawandels. Von der Bindung von Kohlenstoff im Boden bis zur Erzeugung erneuerbarer Energie in landwirtschaftlichen Betrieben werden wir weiterhin Innovationen entwickeln und neue Einnahmequellen für Landwirte und Viehzüchter schaffen, während wir gleichzeitig einen widerstandsfähigen Agrarsektor aufbauen,
heißt es in seiner Erklärung.
Vor diesem Hintergrund bekommen Pläne wie Tierwohlabgabe, European Green Deal
und Farm-to-Fork
eine ganz neue Bedeutung. Prof. Michael Schmitz sorgt sich um die Existenz der deutschen Landwirtschaft (Landwirtschaft im perfekten Sturm).
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Videoreihe mit anschließender Diskussion: Die neun Paradoxien der Farm2Fork-Strategie
Die EU-Strategie Farm to Fork
ist so ehrgeizig, dass Europas Tierhalter um bäuerlichen Traditionen und Strukturen fürchten. Sie glauben, dass bereits erzielte Fortschritte nicht wirklich berücksichtigt. Zudem kritisieren sie, dass viele der formulierten Ziele auf Vorurteilen und Mythen beruhen. European Livestock Voice und das italienische Projekt für nachhaltiges Fleisch, Carni Sostenibili, haben eine Reihe von Paradoxien in einer Reihe von kurzen Videos identifiziert, die gleichzeitig in 7 EU-Ländern und Sprachen* zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Videos werden von Birthe Steenberg, Generalsekretärin von AVEC und Vertreterin von European Livestock Voice, und Prof. Giuseppe Pulina, Vorsitzender von Carni Sostenibili, vorgestellt, gefolgt von einer Fragerunde mit dem Publikum. Start ist der 25. März. Eine Teilnahme ist nach Registrierung möglich.
Weltwassertag: Schluss mit den Mythen um die Tierhaltung als Wasserverschwender
Genauso wenig, wie es in Äthiopien mehr regnet, wenn der deutsche Verbraucher seinen Wasserkonsum einschränkt, verbraucht eine Kuh 15.000 Liter Wasser je Kilogramm erzeugtes Fleisch. Dieser Mythos hält sich seit Jahren und wird vom Bundesumweltministerium sogar noch befeuert. Dabei dürfte mittlerweil klar sein, dass
- die deutsche Tierhaltung kein Wasser ver-, sondern gebraucht (Stichwort: Wasserkreislauf)
- das Wasser, das Futterpflanzen (Gras, Mais) zum Wachsen benötigen, zu 99 Prozent aus Regenwasser besteht.
Es wird daher zwischen grünem, grauen und blauem Wasser unterschieden. Deutschland darf sich aufgrund guter Wasserversorgung (noch) zu den Gunstlagen zählen. Ein Vorteil, der verpflichtet. Mit jedem Kilogramm Milch oder Fleisch, das exportiert wird, können Regionen mit wenig Niederschlägen entlastet werden. Man spricht von virtuellem Wasser.
Bei EU-Bürgern ist der Einsatz von Tierarzneimitteln bei Nutz- und Haustieren zunehmend anerkannt
In einer aktuellen Umfrage wurden EU-Bürger, auch aus Deutschland, zu Wissen und Meinung über den Einsatz von Tierarzneimitteln zur Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten bei Haus- und Nutztieren befragt. Die Ergebnisse der Umfrage, die der europäische Verband AnimalhealthEurope in Auftrag gegeben hat, zeigen einerseits, dass die Befragten sich zum Teil nicht ausreichend über die Regeln für die Verwendung von Tierarzneimitteln informiert fühlen und dass einige Bürger Bedenken über die Verwendung bestimmter Medikamente haben. Andererseits ist das Bewusstsein für die Bedeutung der Gesundheit bei Tieren und den Nutzen von Tierarzneimitteln bei der Behandlung von Krankheiten sowie für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion gut ausgeprägt. In Bezug auf Nutztiere glauben 61 %, dass Tierarzneimittel im Krankheitsfall für das Wohlergehen der Nutztiere wichtig sind. 68 % sind der Meinung, dass die Impfung von Nutztieren dazu beiträgt, die Übertragung von Krankheiten auf den Menschen zu verhindern. 77 % denken, dass gesunde Nutztiere es Landwirten ermöglichen, Lebensmittel auf nachhaltige Weise zu produzieren und 80 % finden, dass mit gesunden Nutztieren qualitativ bessere Produkte erzeugt werden.
Fraunhofer-Projekt "FutureProtein": Erschließung neuartiger Proteinquellen
Vor dem Hintergrund des zunehmenden Proteinmangels in der globalen Nahrungsmittelversorgung wollen Forscher*innen des Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU nun als eines von sechs Fraunhofer-Instituten im Leitprojekt FutureProteins
neue Anbausysteme und Prozesse entwickeln, mit denen neuartigen Proteinquellen aus ausgewählten Pflanzen, Insekten, Pilzen und Algen gewonnen und für neue Produkte als nachhaltige und massentaugliche Alternative vor allem zu Schweine- und Rinderfleisch erschlossen werden können.
Wie Land- und Forstwirtschaft, Siedlungen und Verkehr als wichtigste Landnutzer zum Klimaschutz beitragen können
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind in dem mehrjährigen Verbundprojekt CC-LandStraD der Frage nachgegangen, wie durch die Landnutzung in Deutschland Treibhausgasemissionen gesenkt werden können. Ziel dieses Projekts war es, Strategien für eine nachhaltige Landnutzung im Zeichen des Klimawandels zu entwickeln und deren Folgen abzuschätzen. Die Ergebnisse wurden nun in dem Fachbuch Wechselwirkungen zwischen Landnutzung und Klimawandel
veröffentlicht. Es wurden vier Landnutzungsstrategien entwickelt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Klimaschutz, Bioenergie, Natur- und Umweltschutz sowie Klimaanpassung. Sie zeigen, wie sich einerseits Treibhausgasemissionen reduzieren lassen und andererseits Land- und Forstwirtschaft an den Klimawandel anpassen können. Die möglichen Auswirkungen dieser Landnutzungsstrategien auf Nahrungs- und Rohstoffproduktion, auf die Bioenergieerzeugung, auf Umwelt und Natur sowie auf sozio-ökonomische Kenngrößen werden modellgestützt analysiert. Die Autor*innen zeigen Möglichkeiten auf, mit denen die Landnutzung in Deutschland zum Klimaschutz beitragen kann. Sie stellen aber auch die Konflikte dar, die mit anderen gesellschaftlichen Zielen einhergehen. So ist etwa eine der langfristig vielversprechendsten Maßnahmen, im Landwirtschaftssektor Treibhausgase zu reduzieren, die Wiedervernässung von Moorböden. Allerdings ist dann eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt, z.B. als extensives Grünland möglich, was gravierende wirtschaftliche Auswirkungen auf die betroffenen Landwirte und Bodeneigentümer hat.
Biomarker ermöglichen frühe Diagnose bei Euterentzündung der Milchkuh
Forscher der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig haben jetzt ein nicht invasives Nachweisverfahren basierend auf einem spezifischen Biomarker entwickelt, das eine frühzeitige Diagnose sowie Therapieverlaufskontrolle entzündlicher Erkrankungen, wie der Mastitis, ermöglicht. Bei dem Marker handelt es sich um ein spezifisches Protein, das aus einwandernden Entzündungszellen freigesetzt wird. Bio- beziehungsweise Entzündungsmarker geben als molekulare Whistleblower
oft verborgen gebliebene Hinweise zu einer möglichen Erkrankung und unterstützen Kliniker immer besser bei der Diagnose und Therapie. Durch ein möglichst frühzeitiges Erkennen entzündlichen Erkrankungen kann der Antibiotikaeinsatz minimiert und die Milchleistung der Kühe gesteigert werden.
Fleischverzehr sinkt weiter
Der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch lag 2020 mit 57,3 Kilogramm so niedrig wie noch nie seit Berechnung des Verzehrs im Jahr 1989. Das geht aus den vorläufigen Angaben der Versorgungsbilanz Fleisch des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) hervor. Insgesamt wurde im Jahr 2020 Fleisch mit einem Schlachtgewicht von 8,5 Millionen Tonnen erzeugt – rund 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. In Deutschland wurde 2020 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 750 Gramm weniger Fleisch verzehrt. Während die Menschen 940 Gramm weniger Schweinefleisch und 40 Gramm weniger Rind- und Kalbfleisch aßen, stieg der Verzehr von Geflügelfleisch um 180 Gramm an.